Jugend forscht

Die beiden kleinen Jungs, unverkennbar Brüder und voller Tatendrang, waren der rennende Beweis für die These der Bibliothekdirektorin:

Das stille Sitzen gehört nicht zu den Grundbedürfnissen von Kindern!

Sie flitzten durch das ganze Haus und gehörten zu der Sorte der Fummler: Hier mal anfassen, dort mal um die Ecke gucken, auf allen PC-Tastaturen klimpern, am Kopierer die blinkenden Knöpfe drücken, auf Kunstwerke  klettern und am Geländer turnen. Dann an der Sicherungsanlage schaukeln, in den Flohmarktschrank krabbeln und mal in der Kinderbibliothek in die Büros marschieren: „Habt Ihr  Süßigkeiten?“ Mit einer  Schnute voller Gummibärchen saßen dann beide im Bilderbuchtrog, die Bücher hatten sie rausbefördert.

„Allerliebst“, dachte die Direktorin, „wo ist eigentlich der zuständige Papa abgeblieben?“ Sie nahm Fahrt auf und folgte den Energiebündeln.

Die waren schon  wieder die Treppe rauf und hatten vorher noch schnell den Aufzugsknopf gedrückt. Oben entdeckten sie die  Taschenbuchständer, gleich acht  nebeneinander.

Was für eine Freude! Alle Ständer ließen sie gleichzeitig rotieren, und die Jungs schoben sie immer neu an  und juchzten.  Sie standen sogar einen Moment lang still, fast andächtig schauten sie den drehenden Objekten zu, die sich immer schneller drehten.

Dann krachte es, Bücher prasselten und fielen durcheinander:  Die Jungs wurden zu Boden gerissen und fingen erbärmlich an zu heulen.

Da der Papa immer noch nicht aufgekreuzt war, tröstete die Direktorin die kleinen Heulsusen und erfüllte sich danach einen uralten Traum:

„Kommt! Wir räumen alle Bücher wieder ein und machen das ganze Experiment gleich noch mal!“

In dem Moment tauchte der Papa auf …

Ein Gedanke zu „Jugend forscht

  1. Hey,

    hab mich jetzt endlich mal auf Ihre Seite verirrt (Sie erwähnten die mal bei einem Workshop in der Landesfachstelle in Nürnberg) und bin begeistert 🙂

    Sehr lustig
    Liebe Grüße

    Azubine Anja

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