Filmkarriere geplatzt

Es ist Karsamstag. Die Bibliothek ist geöffnet– wie immer bis 16 Uhr– und großer Kundenandrang ist zu erwarten. Eigentlich hat die Bibliotheksdirektorin ja samstags frei, uneigentlich taucht sie aber nicht selten auf, betreut die Vorlesepaten der Samstagsgruppe oder „macht so im Büro herum“.

Für heute hatte sie geplant, so gegen Mittag aufzulaufen und zu schauen, ob alles klappt oder irgendwo Hilfe nötig ist. Da bimmelt gegen 10:30 Uhr ihr heimisches Telefon. Die Info-Bibliothekarin ist dran und berichtet mit schnellen Worten, dass der WDR, diesmal das Fernsehen, in seiner Lokalzeit am Abend etwas über die österliche Bookcrossing-Aktion auf der Korkenzieher-Trasse zeigen möchte: Am besten im Rahmen einer filmbaren Freilass-Aktion mit diversen BookcrosserInnen, die gerade ein paar der insgesamt 800 Bücher aussetzen.

„Mmh“, sagt die Direktorin, „die Aktion ist doch schon vorbei, die war doch gestern! Ab heute setzten alle Bookcrosser ihre Bücher spontan aus!“. Ein neuerlicher Anruf der Kollegin macht Beharrlichkeit deutlich: Der WDR will unbedingt filmen! Die Direktorin guckt an sich herunter: Sie ist noch im Bademantel, oh jesses! So geht das aber nicht! Es folgt ein erster Spurt ins Badezimmer, denn …

… wenn das Fernsehen kommt, geht alles superschnell! Am besten lässt man dann alles fallen, Katze, Kaffee, Bademantel, und rennt los. Also:

  • Unter die Dusche und Klamottensuche: Irgendwelche angezogen
  • Schuhe: was gerade im Flur steht
  • Haare: egal, der Pferdeschwanz geht schnell
  • Schminke: wird im Auto erledigt
  • Was vergessen: verflixt, die Bücher!!

Jetzt aber los – zweiter Spurt! Einige orange-rote Ampeln werden ignoriert. Im Büro schnell Psammy und Ninaki angerufen, zwei Solinger Bookcrosserinnen. Die Hektik nimmt zu. Psammy muss abgeholt werden und hat noch Bücher einzutüten. Sie schafft es gerade noch, eine Rundmail abzusetzten. Und was sagt der nette Fernsehmann am anderen Draht: Er friert und wartet schon auf der Trasse.

Dritter Spurt mit Psammy und Schock! Das mehrmalige Graben in allen Fächern der Handtasche ist ohne Erfolg– der Lippenstift ist weg! Wie sieht man denn dann im Fernsehen aus? Auf der Brücke steht schon der WDR-Mann, die Kamera parat und Solingerin Silke sorgt dafür, dass er nicht verschwindet! Guini kommt auch noch angehetzt, der Lippenstift aber bleibt verschwunden, zum Kuckuck auch!

Tja: Das war’s dann wohl mit der Filmkarriere. Wir hatten alle „irgendwas“ an und waren überhaupt nicht gestylt. Lippenstift? Absolute Fehlanzeige. So gemein kann das Leben sein!

5 Gedanken zu „Filmkarriere geplatzt

  1. Ja, das Leben kann gemein sein, auch für arme Katzen, die einfach fallengelassen werden! ;o))

  2. Hallo Liisa,

    der Kater Baltes ist ein großer Tiger und locker auf seine vier Pfoten gefallen. Dann ist er wieder rausmarschiert und hat den anderen Katzen (so vier bis sieben Stück sind das immer…) gezeigt, wer der Chef in der Gegend ist.
    Der Baltes-Kater führt ein schönes Leben – keine Sorge! 😉

  3. Oh ja, was für ein Stress! Aber der Lohn war groß: ich war eine Millisekunde am Horizont zu erahnen! 😉

    Tja, gegen Joschkas Lauf kommen wir halt mit all unserer geballten Schönheit nicht an, jedenfalls wenn man es in Sendezeit misst… Den habe ich zur Strafe jetzt gewaltsam in mein Bücherregal gequetscht. So! 😉

  4. Kennen wir beim Bookcrossing doch. Das Fernsehen pfeift und die Bookcrosser springen. Habe selbst schon mal einen wunderbar natürlichen Dialog aus dem ?,,rmel geschwitzt, der dann doch nicht gesendet wurde. Die Glotzenmacher wollen eigentlich immer nur eine Person zeigen, die in missionarischem Eifer Bücher auslegt. Wir sind inzwischen froh, wenn die Fakten stimmen und die richtige WWW-Adresse (bookcrossing.com) angegeben wird.
    Zur Sendezeiterweiterung müssen jetzt neue Kombinationen her – Bookcrossing und Geocaching, Marathonlaufen, Taxifahren …

  5. …oder vielleicht Formations-Synchronschwimmen? Ich bestelle uns dann schon mal einen Satz Badekappen mit BC-Logo. Claudia, halte den wasserfesten Lippenstift bereit! 😉

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