Mit einem Bein im Knast

Dass Juristen und Theologen unsere Bibliotheksbücher am meisten lieben, ist immer wieder bewiesen worden. Auch Germanisten sammeln und horten daheim recht gerne, manchmal vergessen sie es einfach, vorher an der Ausleihtheke vorstellig zu werden. Das kann man dann in den überregionalen Zeitungen nachlesen. Doch Bibliotheksdirektorinnen gehören neuerdings auch zum Kreise der Delinquentinnen und müssen als gefährlich eingestuft werden. Hier ist der Beweis!

Der Mann war schon älter, rustikal mit Wanderschuhen und Knickerbockern ausgestattet. Er brachte einen Brief mit, vier eng mit Schreibmaschine beschriebene Seiten: die Anklageschrift. Eindeutig wies er nach, dass die Bibliotheksdirektorin den mehrbändigen Kohlhammer-Kommentar, der vor 10 Jahren noch vollständig in der Bibliothek vorhanden war, geklaut haben musste. Die Bibliotheksdirektorin war gerade etwas belastet, lud den Mann dennoch zu einem Gespräch ein und versuchte, den Verdacht abzuwenden. Sie erklärte lang und breit, wie der Bestandsauf- und abbau in der Bibliothek erfolge und dass unvollständige und veraltete Rechtskommentare aussortiert werden müssen. Ein eindeutiger Beweis ihrer Schuld! Sie hätte sich das übrigens auch sparen können, der Ankläger führt Gespräche dieser Art immer ohne sein Hörgerät, wie sich später herausstelle. Doch sie hatte Glück– der Mann vergaß die Sache einfach. Acht Jahre später tauchte er allerdings wieder auf …

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Kassette kaputt oder Hamster tot

Non-Books sind ja für viele kreative Einfälle gut zu gebrauchen!

In Ermangelung eines Frühstückbrettchens kann man zum Beispiel mal eben schnell eine CD aus der Bibliothek unter das Honigbrötchen legen, nicht wahr? Das macht doch nichts, oder? Die halten doch was aus, denke ich mal und man sieht den Scheiben aus der Bibliothek ja auch an, dass diese Idee öfter verwirklicht wird.

Ältere Videokassetten eignen sich sehr gut für das feinmotorische Training unserer kleinsten Kunden: Man kann z. B. Geldstücke, Reiskörner oder Linsen in den schmalen Schlitzen versenken. Auch das Einfüllen von Limonade oder Himbeersirup ist geeignet: Hierbei wird die Treffsicherheit und Zielgenauigkeit geübt. Das Einstreuen von Sand ist ebenfalls sehr beliebt und macht den Minis viel Freude.

Den Kreativ-Preis verleihe ich an den mir (leider!) unbekannten Menschen, der eine Kinder-Hörspielkassette auf völlig neue Art und Weise reparierte: Weiterlesen

Käsetheke

„Oh, verflixt!“, sage ich laut zu mir selbst, „jetzt ist es schon halb acht und ich sitze hier immer noch im Büro herum! Heute ist doch mein kurzer Tag und seit 18 Uhr hätte ich eigentlich verschwunden sein müssen!“

Der heimische Kühlschrank ist nämlich leer und ich jetzt muss ich wirklich superschnell noch etwas einkaufen. Also: Jacke an, zum Auto gespurtet, losgefahren, gerade noch geschafft, Brot, Bananen, Milch, Kopfsalat und Butter in den Einkaufswagen geworfen: was fehlt? Ach, Käse noch und ich stelle mich an der Käsetheke an. Dort ruhe ich mich ein wenig aus, lasse den Blick schweifen und schaue mir die Käsestücke in der Theke an. Soll ich den Bärlauch-Käse mal …

Da tippt mir jemand auf die Schulter! Weiterlesen

Heinzelmännchen

Tatort: Kinderbibliothek

Ich fühlte mich verfolgt, drehte mich herum und stand vor ihr. Sie verstellte mir den Weg, öffnete den Mund und sagte angriffslustig: „Heinzelmännchen!“

Mein Hirn arbeitete blitzschnell und mehrere Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf.

  1. Hat sie eins gesehen? Wo? Kann ich mir das mal ausleihen?
  2. Meint sie mich? Unverschämtheit!
  3. Will sie sich vorstellen? Heißt sie gar so? Soll ich auch meinen Namen sagen?
  4. Braucht sie ein Buch zum Basteln? Vielleicht zum Filzen?
  5. Braucht sie ein Buch zum Vorlesen? Für welches Alter?
  6. Oder soll es eher etwas für Erwachsene sein?
  7. Möchte sie ein Heinzelmännchen malen?
  8. Will sie vielleicht den Film von den „Heinzelmännchen aus Köln“ ausleihen?
  9. Wie genau hieß denn noch mal der dicke Bildband, in dem die ganze Wahrheit über Herkunft, Leben und Wirken des Zwergenvolkes beschrieben ist?
  10. Gibt’s eigentlich auch Lieder mit Heinzelmännchen?

Sekunden später frage ich: Weiterlesen

Der Staubsauger-Mann

Er tauchte abends in der Kinderbibliothek auf, ließ seinen Blick schweifen und sagt: „Hier ist es aber schmutzig, ich sauge mal ein bisschen, ja?“

Die Kolleginnen aus der Kinderabteilung sind sehr souverän im Umgang mit besonderen Nutzergruppen, und so lautete die Antwort einfach: „Ja, gerne! Machen Sie das ruhig!“

Der fremde Mann wirkte harmlos, ein wenig anders zwar, aber was soll die Diskussion: Wenn hier einer putzen möchten, kann er das gerne tun! Sein vorgebliches Saug-Gerät war aber von etwas bemerkenswerter Natur: Es macht ordentlich viel Krach, hatte aber keine Saugdüse, so dass der Dreck schön liegen blieb. Nach ca. 20 Minunten aber war die Putzorgie vorbei und der Mann meinte: „So, jetzt ist es schön sauber hier! Ich geh‘ dann mal wieder. Den Staubsauber lasse ich hier, denn morgen komme ich wieder!“ Die Kollegin nickte zwar ein wenig fassungslos, aber da war er schon draußen. Sie stellte das Krach-Gerät in die Ecke neben unseren Teppich-Dackel und dachte: Weiterlesen