Heinzelmännchen

Tatort: Kinderbibliothek

Ich fühlte mich verfolgt, drehte mich herum und stand vor ihr. Sie verstellte mir den Weg, öffnete den Mund und sagte angriffslustig: „Heinzelmännchen!“

Mein Hirn arbeitete blitzschnell und mehrere Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf.

  1. Hat sie eins gesehen? Wo? Kann ich mir das mal ausleihen?
  2. Meint sie mich? Unverschämtheit!
  3. Will sie sich vorstellen? Heißt sie gar so? Soll ich auch meinen Namen sagen?
  4. Braucht sie ein Buch zum Basteln? Vielleicht zum Filzen?
  5. Braucht sie ein Buch zum Vorlesen? Für welches Alter?
  6. Oder soll es eher etwas für Erwachsene sein?
  7. Möchte sie ein Heinzelmännchen malen?
  8. Will sie vielleicht den Film von den „Heinzelmännchen aus Köln“ ausleihen?
  9. Wie genau hieß denn noch mal der dicke Bildband, in dem die ganze Wahrheit über Herkunft, Leben und Wirken des Zwergenvolkes beschrieben ist?
  10. Gibt’s eigentlich auch Lieder mit Heinzelmännchen?

Sekunden später frage ich: Weiterlesen

Pack’ die Knarre weg

Am Abend des 29.11.2006 wollte ich meinen Augen nicht trauen: Im Erdgeschoss der Stadtbibliothek lief gegen 16:15 Uhr ein schwerbewaffneter junger Mann herum. Das imposante Gewehr in Vorhalte gebracht, hatte er die Fläche zwischen Ausleihtheke und Kinderbibliothek voll im Griff. Durchtrainiert, locker und mit souveräner Beinarbeit bewegte er sich immer hin und her.

Sollte ich es wagen, ihn anzusprechen? Immerhin ist es doch meine Pflicht, Blutbäder zu verhindern, oder? Ich beugte mich also herab und sprach den Dreikäsehoch an: „Weißt Du nicht, dass Waffen in Bibliotheken verboten sind? Wir sind hier für Frieden und Gewehre sind ein Zeichen der Gewalt!“ Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, dazu recht vorwurfsvoll und völlig selbstsicher: Weiterlesen

Der Staubsauger-Mann

Er tauchte abends in der Kinderbibliothek auf, ließ seinen Blick schweifen und sagt: „Hier ist es aber schmutzig, ich sauge mal ein bisschen, ja?“

Die Kolleginnen aus der Kinderabteilung sind sehr souverän im Umgang mit besonderen Nutzergruppen, und so lautete die Antwort einfach: „Ja, gerne! Machen Sie das ruhig!“

Der fremde Mann wirkte harmlos, ein wenig anders zwar, aber was soll die Diskussion: Wenn hier einer putzen möchten, kann er das gerne tun! Sein vorgebliches Saug-Gerät war aber von etwas bemerkenswerter Natur: Es macht ordentlich viel Krach, hatte aber keine Saugdüse, so dass der Dreck schön liegen blieb. Nach ca. 20 Minunten aber war die Putzorgie vorbei und der Mann meinte: „So, jetzt ist es schön sauber hier! Ich geh‘ dann mal wieder. Den Staubsauber lasse ich hier, denn morgen komme ich wieder!“ Die Kollegin nickte zwar ein wenig fassungslos, aber da war er schon draußen. Sie stellte das Krach-Gerät in die Ecke neben unseren Teppich-Dackel und dachte: Weiterlesen

Tote Taube vor der Bibliothek – die Vogelgrippe erreicht das Bergische Land

Der Anruf des Center-Managements erreichte mich kurz nach 14 Uhr: Vor der Bibliothek läge eine tote Taube und ich möge doch bitte dafür sorgen, dass die von dort verschwände, damit sich die BürgerInnen der Stadt und Kundinnen und Kunden des Centers nicht wegen der womöglich nahenden Vogelgrippe aufregen müssten.

„Ja klar!“, dachte ich, „wofür sind so Bibliotheks-Chefinnen denn sonst da und der Hinweis ist ja nett gemeint! Der Hausmeister hat Urlaub, Ersatz gibt es keinen, da machen wir doch am besten alles gleich selbst …“

Aber dann erinnerte ich mich doch an die Kompetenz im eigenen Ressort – ha! – und habe direkt mal beim Chef vom Gesundheitsamt angeklingelt. Das war doch dann ein sehr ordentliches Gespräch! Hier kommt’s: Weiterlesen

Wenn Engel mal müssen

Die Kinderbibliothek war mal wieder rappelvoll – 60 Minis im Vorschulalter hatten die Pinguingeschichte von „Tacky“ gehört und malten, klebten und schnitten nun eifrig an ihren Tanzpinguinen herum. Der krönende Abschluss der Bilderbuchstunde, laut und vor allem schön schief zu singen, stand noch bevor. Da löst sich auf einmal ein Engelchen, ja wirklich, mit goldenen Locken und einem wunderschönen Gesichtchen, aus der Gruppe, zupft mich durchaus kraftvoll am Ärmel und sagt: „Du, ich muss mal!“

„Wirklich süß, die Kleine“, denke ich und sage: „Pass auf, Du gehst jetzt hier raus und dann nimmst Du einfach die erste Türe links“.

Kurze Zeit später steht das Engelmädchen wieder vor mir und fragt vorwurfsvoll: „Ja, wo ist denn hier links?“

Ja du liebe Bibliotheksdirektorin, wie konntest Du denn so dumm sein! Wer weiß denn in dem Alter schon, wo links ist? Ich nehme also das Engelchen an die Hand Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kinder

Beschwerden sind ein (süßes) Geschenk

… da stand sie vor mir, die Bibliothekarin aus der Kinderbibliothek und sagte leicht trotzig, dass sie sich beschweren wolle. „Dann komm‘ mal rein!“, meinte ich und sie grummelte ein wenig und ließ den Satz fallen: „Oder soll ich gleich zum Personalrat gehen?“

„Oh Gott, oh Göttin“, dachte ich, „was ist denn jetzt los, da scheint ja was im Busch zu sein!“

Man fühle sich doch sehr vernachlässigt, die Lieferungen würden ja gar nicht mehr kommen, hub sie an und ich verstand gar nichts. Kommen keine neuen Medien mehr an oder fehlt Papier oder sind keine DVD-Safer mehr da oder was?

Doch dann sah ich sie genau an und entdeckte ein kleines, freches Grinsen in ihrem Gesicht. Weiterlesen