Feedback

Unsere Bibliotheksdirektorin freut sich immer, wenn die Kundschaft eine Meinung zur Bibliothek entwickelt, sich etwas wünscht oder Vorschläge macht. Manche Vorschläge sind geradezu genial und einfach umzusetzen. Da gibt es aber auch die sogenannten Querdenker, die einen völlig anderen Blick auf die Bibliothek entwickeln:

– „Lassen Sie doch einfach die untersten und obersten Regalbretter frei! Dann komme ich viel besser an alles dran.“ Oder:
– „Können Sie nicht ein paar Zeitungen in den Toiletten auslegen und dort auch ein wenig Musik abspielen?“

Schriftliche Rückmeldung auf den ausliegenden Meinungszetteln machen jedoch am meisten Spaß, so zum Beispiel die von einem 12-jährigen jungen Kunden, der sich zu den  Themen  ‚Freundlichkeit‘ und ‚Internet‘ äußert:

Personal ist inordnung und sehr freundlich. Das anmelden für den Internetzugang finde ich verbesserungswürdig dass Kinder ab 12 Jahren aupwerts sich selbst anmelden könnten ohne dumme Vormulahre der Elten

Es hat also doch was gebracht, die Kinder unter allen Umständen zum Schreiben zu motivieren. Die richtige Rechtschreibung kommt später– das sieht man doch!

Voll die Sofas

Die Bibliotheksdirektorin war mal wieder auf ihrer Patrouille durchs Haus. In der Jugendbibliothek im 2. Stock waren alle Sofas mit knutschenden Pärchen besetzt. Dreimal umkreiste die Direktorin diskret die ineinander verkeilten Haufen und rief dann von Ferne: „Hallo, das Knutschen ist hier nur mit Bibliotheksausweis erlaubt! “

Im 1. Stock lagen zwei Jungs auf den beiden Ledersofas: Jeder hatte seinen Kram irgendwohin gestellt und sich der Länge nach ausgestreckt.  Der größere von beiden klappte nach einiger Zeit ein Auge auf und meinte schlaftrunken: „Isch denke nach, ok?“.  Er sah tatsächlich reichlich verknittert aus und die Direktorin blieb auch hier  gnädig: Eine Mütze Schlaf kann niemandem schaden und stärkt das Hirn. Die beiden Schläfer waren vorbildlich ausgestattet: Sie besaßen jeder einen Bibliotheksausweis.

Im Erdgeschoss schaute sich die Bibliotheksdirektorin unauffällig um: Das Bett in der Kinderbibliothek war gerade frei …

Fett oder fit

Lesenächte sind bei Kindern sehr beliebt, und die Bibliotheksdirektorin hatte bei der letzten wieder eine schöne Rolle: Sie spielte die Schuldirektorin in der „Schule der Bücher“ und war gleichzeitig die einzige Sportlehrerin. Vier Sportstunden mit je 20 Schülerinnen und Schülern im Altern von 8 bis 10 Jahren standen auf dem Stundenplan. Auf die Frage, warum denn Sport so wichtig sei, kamen die Kids immer irgendwann auf die Antwort: „Damit wir nicht so fett werden!“

Die Musik startete, alle mussten den Rhythmus spüren, in den Knien wippen und es ging los!

Side-to-side und  kicken: 16-mal ; side-to-side und boxen: 16-mal. Dann Klatschen statt Boxen!  Double rechts,  Double links und– alles von vorn!

Der W-Step war zu schwer, doch die Sit-ups klappten einigermaßen. Einige pfuschten kräftig: Sie machten aus dem Bauchtraining eine Schaukelübung oder hoben nur faul ihren Kopf. Am Ende kam das unvermeidliche Stretching. Weiterlesen

Schneewittchen und die lieben Zwerge

„Vorlesen und selbst Theater spielen!“, stand auf dem Programmzettel und 43 kleine und größere Kinder warteten scharrend vor der Tür der Kinderbibliothek.

„Oh Himmel!“, entfuhr es der Bibliotheksdirektorin: „Die kann ich doch gar nicht alle unterbringen! Mehr als ein Schneewittchen gibt das Märchen nicht her!“ Und dann ging es wie mit dem Brennesseltest: Beherzt zupacken ist das halbe Leben und die Kinderschar stürmte die Bude.

Die Märchenvorleserei klappte noch wunderbar, die Geschichte war klar und die Rollen wurden verteilt. Gleich 10 Kinder wurden zu Bäumen des Waldes und mussten die Arme hochstrecken: „Oh manno, dass ist aber anstrengend!“ Der Wald war ziemlich maulig und erinnerte öfter an ein großes Areal von Trauerweiden: Ständig fielen den Bäumen die Arme runter.

Das Schneewittchen war zwar langhaarig, aber blond, dafür hatte die böse Königin echte Sommersprossen! Der Jäger war auch schnell ausgeguckt, und immer wieder rief die Direktorin: „Wo sind die Bäume, die Bäume? Der Wald kann nicht immer irgendwo herumstehen und träumen!“

Die Zwerge waren dagegen schnell gefunden, waren aber leider ein unzuverlässiges Pack: Meistens waren nur vier von ihnen anwesend: Einer war immer gerade auf dem Klo, ein anderer lümmelte bei den Comics herum, wieder andere versteckten sich zwischen den Bäumen, die dann auch wieder ganz lebendig wurden.

Allein die Bettszene mit Schneewittchen …

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Eine Düsenjäger-Oma

Die Vorlesestunde galt schon als verpatzt, als die Bibliotheksdirektorin die Kinderbibliothek betrat: „Die Schüler, die heute vorlesen sollten, sind nicht erschienen, und das Vorlesebuch und auch alle anderen Raupenbücher sind ausgeliehen! Was sollen wir denn jetzt machen?“

Alle liefen und riefen durcheinander, und panische Ratlosigkeit stand in den Gesichtern: Vor der Tür warteten 20 Vorlese-Club-Kinder, die pünktlich um 15 Uhr zur Raupenvorlesestunde reingelassen werden wollten.

Die Direktorin schob den betreuenden Lehrer freundlich zur Seite und gab vier Kommandos: Weiterlesen

Bestandsaufbau, liegend

Unsere Bibliotheksdirektorin ist die mehr die Jüngste. Es gibt zwar wohlwollende Kommentare, die da lauten: „Ach, Du bleibst doch immer jung!“, das kann aber bestenfalls in die Komplimente-Kiste einsortiert werden. Sie ist nie wirklich krank, aber die Knochen sind schon etwas klapprig.

Mal zieht es in der Schulter, dann knackt die Hüfte laut und droht bei jedem Schritt aus der Pfanne zu springen. Das ist immer peinlich, weil dann alle denken, sie fiele gleich auseinander. Das Ilio-Sakral-Gelenk ist schon seit Jahren im Eimer und die Blockaden hat sie (gottseidank) vorwiegend im Rücken. 😉 Die Skoliose ist auch immer da und deshalb geht sie regelmäßig zum Physiotherapeuten: Dort gibt es dann Heißluft, Massage und Manuelle Therapie, und bei den ersten beiden Programmpunkten schläft sie immer ein. Mindestens zwei Tiefschlafphasen schafft sie dann locker, es sei denn … Weiterlesen

Dschungel und Reklameheftchen

Ich wollte wirklich nur mal eben zum Klöchen, da erwischte er mich und hielt mich fest. Er war noch jung, doch sein Blick war schon recht verzweifelt. Er irrte wohl schon länger durch diesen medialen Informationsdschungel, ganz ohne Essen und Trinken. Etwas verkürzt fragte er: „Ja, haben Sie denn diese kleinen Dinger nicht mehr?“

„Was für Dinger denn?“ frage ich zurück, und er wird langsam ruhiger und präzisiert seine Frage.

„Na, diese kleinen Reklameheftchen, so gelbe!“

Ich wundere mich, zweifle kurz an der Anschaffungspolitik der Lektorats-Chefin, die doch wohl keine Wurf- und Werbesendungen einarbeitet und trippel vom rechten aufs linke Bein, schießlich muss ich mal …

… da spricht er weiter: Weiterlesen