Ritter ohne Langeweile

Dreizehnjährige Jungs können wirklich goldig sein!

Oft finden sie das Lesen voll blöd, haben aber meistens Mamas, die es als eine hohe Tugend preisen.

Der Ausspruch „Junge, lies doch mal was!“ ist für die jungen Herren allein schon nervend, wenn sich die Mamas dann aber erheben und kleine Bücherkisten zur Leseförderung des Sohnemanns in der Bibliothek bestellen, tritt Alarmstufe Rot ein.

Doch damit ist es nicht getan – die lesefördernden Mamas wollen jetzt, dass die werte Nachkommenschaft auch noch einen Bücherwunschzettel erstellt, damit die Bücherkiste ordentlich gefüllt werden kann.

„Och Mama! Was soll ich denn da schreiben? Ich finde Lesen echt anstrengend! Muss ich das wirklich machen?“

All das erzählte die betreffende Mama und überreichte der Bibliotheksdirektorin den mageren Wunschzettel. Was stand drauf?

Thema Ritter

soll in England spielen

Sprache: Deutsch

höchstens 250 Seiten!

keine langweiligen Stellen!

Da hatte die Bibliotheksdirektorin was zu tun! Langweilige Bücher mit mehr als 250 Seiten gibt es nämlich wie Sand am Meer. 😉

Nervensägen

Man erkennt sie am Habitus: Gerade der Grundschule entwachsen, entdecken sie die Bibliothek als einen Ort, an dem man Aufmerksamkeit heischen kann. Die Bibliotheksdamen sind ja geduldig, beantworten jede Frage– auch wenn es jeden Tag dieselbe ist– und flippen nie aus.

Der Junge war unscheinbar. Er hatte eine Popgruppe im Visier und pflügte täglich den OPAC durch.

„Jetzt gucken Sie doch mal! Seit drei Tagen soll die CD im Trog der Jubi stehen, da ist sie aber nicht!“ Man lässt also alles fallen und geht mit den Knaben auf die Suche, prüft, merkt den Prüffall vor und hofft, dass er jetzt mal Ruhe gibt … Weiterlesen

Rauschende Jungs

Es sind Ferien– diesmal steht „Kaufrausch für Jungs“ auf dem Programm. 12 junge Herren sind angemeldet, um 11:00 Uhr soll’s losgehen. Um 11:15 Uhr sind acht der Herren erschienen, vier sind dagegen auch bis 11:30 Uhr nicht aus dem Bette gefallen. Die anwesenden Jungs sehen etwas verpennt und käsig aus; ob die morgendliche Toilette erfolgreich stattgefunden hat, darf in Einzelfällen bezweifelt werden. Einen Kamm haben augenscheinlich die wenigsten gefunden: Die Haare stehen etwas quer.

Das lokale Fernsehen ist auch zugegen und fragt nun bei den jungen Herren der Schöpfung nach, ob es genehm sei, für’s Fernsehen gefilmt zu werden.

Der größte Junge– ungefähr 15 Jahre alt, die anderen sind eher 12 oder 13– druckst so rum, nuschelt sich was in die Jacke und dann kommt ein Knaller:

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Veröffentlicht unter Jungs

Bücherei-Geschrei

Es ist Donnerstag, kurz nach 19:30 Uhr.

Um 20 Uhr schließt die Bibliothek, einzig die ZuhörerInnen der Taugenichts- Lesung dürfen länger bleiben. Sie sitzen ruhig und hören zu, derweil der vortragende Künstler mit Emphase und Schwung Eichendorff zum Besten gibt.

Zwei junge Damen sind noch bei den Schularbeiten. Sie merken auf– der Taugenichts lässt sich nicht überhören– kommen zutraulich näher und fragen lauthals und ungedämpft:

„Wer schreit denn hier so rum?“

„Psst!“ flüstert die Bibliotheksdirektorin, „das ist hier eine Lesung. Es wird Josepf von Eichendorffs »Aus dem Leben eine Taugenichts« gegeben.“

In Zimmerlauststärke kommt die Frage, gepaart mit einer hinwerfenden Handbewegung: „Ist der berühmt?“ Weiterlesen

Studiosi

Die Studentinnen und Studenten von heute haben es doch wirklich gut! Da muss zum Beispiel eine Haus-, Diplom- oder Seminararbeit mit empirischen Anteil verfasst werden. Wie macht man das?

Man verfasst mal schnell eine abendliche Mail an Forum OeB, die Mailingliste für Öffentliche Bibliotheken, beginnend mit den Worten:

Ich bin Student/Studentin der Fachhochschule Dingenskirchen und schreibe gerade meine Diplomarbeit/Masterarbeit zum Thema …

Ich bitte Sie daher, meinen Online-Fragebogen, der in den nächsten zwei Wochen im Netz zur Verfügung steht, auszufüllen. Herzlichen Dank!

Zwei Wochen später kommt dann die nächste Mail mit der Betreffzeile „Erinnerung zur Teilnahme an der Umfrage …“ an.

Der Ton wird langsam insistierend, ungefähr so: Weiterlesen

„Wecke“ Kinder

„Wecke“ Kinder sind wie „apper“ Daumen: Weg ist weg und ab ist ab!

Da kommt doch in der vergangenen Woche eine nette Mama in die Kinderbibliothek und möchte noch Karten für die Aktion „Witze im Bus“ haben, die am bundesweiten Vorlesetag stattfindet. Vier Stunden lang fährt ein fröhlicher Bus durch die Stadt, 47 Kinder haben darin Platz und werden mit vorgelesenen Witzen bei Laune angehalten. An drei Stationen wird gehalten: Beim Oberbürgermeister, beim Porsche-Zentrum und im Kindermuseum – dort wird dann natürlich auch immer vorgelesen.

„Sorry“, lautet die Antwort, „wir sind leider ausverkauft, der Bus ist restlos belegt!“

Das Gespräch entwickelt sich langsam, die nette Mama bekommt als Alternative angeboten, Karten für das Lindgren-Theaterstück „Rasmus und der Landstreicher“ zu nehmen.

Sie denkt über das Angebot nach, guckt hier, vergleicht da und antwortet:

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Integration gelungen

St. Martin ist doch immer ein schönes, christliches Fest! Es gibt Weckmänner mit und ohne Pfeifen; die angemümmelten Reste finden sich oft auf dem Teppich der Kinderbibliothek wieder. Im Laufe der St.-Martins-Woche fallen ganze Kinderhorden in der Bibliothek ein, singen vorwiegend laut erste Strophen von den bekannten und revolutionären Martinliedern und halten einem dann riesige Plastiktüten hin. Die Blicke der vermummten Kinderschar haben fordernden Charakter, da wird nicht gebeten, sondern verlangt! Gottseidank hat man Halloween und St. Martin noch nicht zusammengelegt.

An einem kleinen, türkischen Jungen nebst Kopftuch-Mama bleibt mein Blick hängen. „Feiern Muslime denn auch St. Martin?“ denke ich so und entdecke noch mehr muslimische Kinder, die mit Laterne unterwegs sind. Die Mädchen singen, egal aus welchem Land sie stammen, schön und eher lieblich leise. Die Jungs dagegen …

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Neueste Rechtschreibung, stilsicher

Die Kommunikation der kleinen und großen Kundinnen und Kunden mit ihrer Bibliotheksdirektorin ist immer wieder erheiternd!

Der kleine Schlauberger, der sich in der Kinderbibliothek schon mal langsam auf sein Leben als Superreicher vorbereiten wollte, scheiterte gleich im ersten Schritt daran, dass er nach „Milioneer“ im Katalog suchte und natürlich nichts fand. Er war aber einsichtig und nickte ergeben, als die Direktorin ihm erklärte, dass er Millionär auch richtig schreiben können muss, wenn er einer werden will. Das sah er ein! 😉

Wie alt der anonyme Schreiberling war, der die kaputte Benjamin-Blümchen-Kassette zurückgab, ist nicht zu erkennen. Die Mama hat aber wegen der schlechten Lesbarkeit das Wort „Defegt“ noch mal deutlich Buchstabe für Buchstabe unter das Gekrakel ihres Juniors geschrieben. 😉

Die großen Jungs sind jedoch am besten, wenn es darum geht, kreative Schreibformen zu entwickeln.

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Nun komm schon, Kleiner

Es ist schon spät am Vormittag – unsere Direktorin hat sich mal wieder in irgendwelchen Besprechungen herumgetrieben. Routinemäßig startet sie den PC ohne hinzugucken. Dann geht sie erst mal um die Ecke, um zu hören, was so anliegt, denn bis der PC erwacht, kann sie locker ein Tässchen Kaffee trinken. Sie kommt nach längerer Zeit wieder rein, und der PC meldet lahm aber brav, was er so macht. Er verbindet die Drucker und meldet sich in diversen Domänen an: Die Direktorin ist immer sehr geneigt, der Technik-Kiste alles zu glauben. Ab und zu versetzt sie dem Bildschirm einen kleinen Stoß und schnauzt ihn mit den Worten an: „Nun komm schon, Kleiner!“

Das hat ihr eine ehemalige Kollegin in der Großrechnerzeit beigebracht – manchmal geht’s dann besser, meistens aber nicht. 😉

Klatsch!

Ein gelbes Fenster erscheint – das bedeutet Unheil!

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Große Meister

Das war mal ein spannender Sonntag! Weltklassespieler, Großmeister und Internationale Meister, bevölkerten die Gänge des Hauses und liefen– versunken den Boden betrachtend– hin und her. Nichts konnte ihre Kreise stören.

Was war los? Die 2. Schach-Bundesliga spielte in der Bibliothek, und die halbe holländische Nationalmannschaft war mit ihren Schach-Legenden und -Berühmtheiten angereist.

Unsere Direktorin hatte alles bereitgestellt und passte auf, dass die Meister gut versorgt waren. Zuerst waren übrigens die Schokokekse alle, bald danach die Schokobons … 😉

Ab und an schlich sie über die Gänge …

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