Handystress im Haupteingang

Bibliotheken waren mal ein Ort der kontemplativen Ruhe!

Man konnte sich dort irgendwo niederlassen, leise in spannenden Büchern blättern und lesen, bis man einschlief. Das ist in den besten Lesesälen vorgekommen. Auch heutzutage werden in den Abendstunden unsere Gäste oftmals müde und halten dann im Lesecafé, das von außen so gut zu betrachten ist, gerne ein Nickerchen. Zusammengesunken über ihrer Lektüre bieten sie dem Betrachter ein friedliches Bild. Nebenan, in der Kinderbibliothek, sinken abgekämpfte Mamas schon mal auf den weichen Sofas in sich zusammen, blinzeln noch mal kurz und sind in null Komma nix eingeschlafen.

Im Unterschied zur ersten Schläfergruppe sind die Mamas völlig pflegeleicht: Sie schlafen feste durch, auch wenn drumherum der größte Krach veranstaltet wird. Die Lesecafé-Schläfer (das sind überwiegend Männer! 😉 ) aber sind eigenwillig. Tosende, schräge, plärrende oder quickende Handy-Klingeltöne lassen sie permanent hochschrecken, so dass an einen geruhsamen und gesunden Schlaf nicht zu denken ist. Dreimal geweckt stehen sie dann endlich missgelaunt auf, um sich zu beschweren und verlangen Regeln. So entstand das Handy-Verbot. Weiterlesen

Rockmusik und Frikadellen

Unsere Direktorin schwelgte im Glück: Ihr langjähriger Traum war endlich in Erfüllung gegangen! Unter dem Vorwand, eine Sommerleseclub-Party für Kids zu veranstalten, hatte sie sich endlich eine Rockband eingeladen!

Die Kids wussten zwar nicht, wie man sich bei einem Rockkonzert benehmen muss, das machte aber nichts. Alle saßen brav auf ihren Stühlen und der Frontman der Band hatte keine Chance, sie von den Stühlen loszueisen. Die Mamas und Papas dagegen waren begeistert und auch die älteren Besucher aus der Kultkneipe von gegenüber, die aus Versehen hereinschneiten und die die Omas oder Opas der Kids hätten sein können, wippten mit den Füßen und wackelten im Takt der Musik.

Es wummerte im ganzen Haus und besonders die ganz kleinen Jungs bewunderten die großen Rocker, die auf der Bühne rumrapten, sich auf den Boden warfen und sich dabei richtig ins Zeug legten. Nur der Kleinste von ihnen, der Sohn des Bassisten, interessierte sich dafür nicht die Bohne …

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Krabbeln für die Suchtwoche

Der Aktionstag zur Suchtwoche 2007 war spannend!

Neben den üblichen Verdächtigen und professionellen Suchtberatern hielt uns ein Drehteam des WDR auf Trab, und der Leiter des Gesundheitsamtes kam kurz vor seinem Interview-Auftritt schön und gepudert aus der Männertoilette, die kurzerhand zur Maske umfunktioniert worden war. Die Bibliotheksdirektorin gewann gleich zu Beginn 100 Punke, weil Sie beim feinmotorischen Spieletest an der Holzwand die Kugel sicher nach oben balancierte. Es gab Filme, Cocktailheftchen und alles Denkbare zum Thema Alkoholabhängigkeit.

Doch einer hatte die Einladung missverstanden …

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Omas am Bookshelf

Da stand wieder eine und umkreiste das Bücherregal unserer Bookcrossing-Zone. Es stand Ihr auf die Stirn geschrieben, dass sie die Utta Danella, die dort lag, gerne einpacken würde. Aber irgendwie misstraute sie der Sache und wartete vielleicht darauf, dass ich endlich verschwände.

„Wissen Sie, wie das Bookcrossing funktioniert?“ sprach ich sie freundlich an.

„Das muss ich auch nicht wissen!“ wurde ich angebellt. „Ich bin 87 Jahre alt und so einen neumodischen Quatsch muss ich nicht mitmachen!“ schnauzte sie weiter und stampfte mit dem Gehstock auf, so dass ich meine Füße mal flott in Sicherheit brachte.

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Gummibaum und Plastikblume

BibliothekarInnen haben zu Pflanzen eine ambivalentes Verhältnis. Da gibt es zum Beispiel die erklärten Blumenhasser: Es reicht ihnen noch lange nicht, nur das Gießen des Grünzeugs zu vergessen. Nein, wenn sie dann doch mal gezwungenermaßen (freiwillig nie!) zur Wasserkanne greifen, werden die Pflanzen heftig beschimpft, so dass sie hernach vor lauter Furcht die Blätter hängen lassen.

Dass Zimmergewächse in Bibliotheken oftmals der Lenkung der Kundenströme dienen und schon mal voll im Dunkeln landen, sieht man ihnen leider an. Neben Wasser brauchen sie eben auch die richtige Lichtmenge, ab und an etwas Dünger und eine sprühnebelige Entstaubung: Das finden viele Kolleginnen und Kollegen völlig abwegig. Die seltsam geformten, meist recht kahlen Gewächse in ihren Büros beweisen das allerorten. Wenn noch zwei Blätter übrig sind und der Todeskampf fast zu Ende ist, wird jedoch mit Energie gegen das Ableben der Pflanze gekämpft. „Was hat sie denn?“ lautet dann die erstaunte Frage. Heftige Zuwendung durch intensives Angucken und die Suche nach bösen Schädlingen stehen dann im Vordergrund. Den Tipp, das Teil nun zu entsorgen, weisen sie erbost zurück!

Doch es gibt auch Ausnahmen: Bei unserer Direktorin gleicht das Büro einem Dschungel, das Grünzeug wächst ihr ständig über den Kopf! Sie gibt damit an, die Efeutute vom Philodendron und den Gummibaum von der Fingeraralie unterscheiden zu können. Es ist nicht zu übersehen: Sie hat ein caritatives Verhältnis zu Blumen und Pflanzen und gießt überall alles, was irgendwie grün aussieht, auch wenn es ihr gar nicht gehört! Doch mit der Angeberei ist es jetzt vorbei. Als der neue Ficus an der Ausleihtheke auftauchte …

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Wilde Kerle

Ein Anfruf am späten Nachmittag.“Sagen Sie mal, sind die wilden Kerle da?“ will die Dame wissen.

Die Gehirnströme der Direktorin werden aktiv!

  • Ist das Rollkomando mit den türkischen Jungs gemeint oder die politische Truppe aus dem Lesecafé?
  • Sind vielleicht die wilden Fußballkerle gefragt? Als Buch oder als Film? Welche Folge denn?
  • Oder lieber Sendaks Bilderbuchklassiker mit gleichlautendem Titel?

Die Antwort kommt schnell und das Telefonat endet in lautem Gelächter auf beiden Seiten: „Tut mir leid, hier gibt es keine wilden Kerle! Bei uns arbeiten vorwiegend Frauen, und die sind ganz lieb!“ 😉

Wenn das der Hausmeister gehört hätte …

Lesen und lachen bis der Arzt kommt

Unsere Direktorin hatte mal wieder das Zipperlein. Seit Monaten humpelte sie mit defektem Hüftgelenk durch die Gegend, hopste bei ihren Fortbildungen unter Schwungtüchern her und war dann im Büro malade. Typisch! Wenn sie dann mal Zeit hatte, hatte der Orthopäde keine; wenn der konnte, war sie verhindert. Ein Termin musste also her! Monate später saß sie im Wartezimmer, die Hüfte hatte sich– frei nach dem Motto „Wat von selbst kommt, jeht auch von selbst“ wieder beruhigt, aber Termin ist schließlich Termin, und man kann ja schon mal präventiv arbeiten.

Das Wartezimmer war voll, und alle Leute hatten säuerlich-griesgrämige Gesichter. Eine Stunde saß die Bibliotheksdirektorin nun schon herum und beschäftigte sich sinnvoll: Sie las! Erst ein Buch zu Ende, und dann die beiden Lokalzeitungen. Die Überschrift einer kleinen Notiz machte sie neugierig, dort stand nämich: „Halt mal die Frau Meier ab!“ Die kleine Glosse war richtig lustig geschrieben und behandelte die kurze und knapp-funktionale Sprache in der Gastronomie. Nicht dass man glaubt, Frau Meier müsse zur Toilette! 😉

Unsere Direktorin fing an zu grinsen, gluckste bald in sich rein und explodierte schließlich mit einem fröhlich-lauten Gelächter. Ja, was glauben Sie, was das griesgrämige Wartezimmer daraufhin machte?

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Mit einem Bein im Knast

Dass Juristen und Theologen unsere Bibliotheksbücher am meisten lieben, ist immer wieder bewiesen worden. Auch Germanisten sammeln und horten daheim recht gerne, manchmal vergessen sie es einfach, vorher an der Ausleihtheke vorstellig zu werden. Das kann man dann in den überregionalen Zeitungen nachlesen. Doch Bibliotheksdirektorinnen gehören neuerdings auch zum Kreise der Delinquentinnen und müssen als gefährlich eingestuft werden. Hier ist der Beweis!

Der Mann war schon älter, rustikal mit Wanderschuhen und Knickerbockern ausgestattet. Er brachte einen Brief mit, vier eng mit Schreibmaschine beschriebene Seiten: die Anklageschrift. Eindeutig wies er nach, dass die Bibliotheksdirektorin den mehrbändigen Kohlhammer-Kommentar, der vor 10 Jahren noch vollständig in der Bibliothek vorhanden war, geklaut haben musste. Die Bibliotheksdirektorin war gerade etwas belastet, lud den Mann dennoch zu einem Gespräch ein und versuchte, den Verdacht abzuwenden. Sie erklärte lang und breit, wie der Bestandsauf- und abbau in der Bibliothek erfolge und dass unvollständige und veraltete Rechtskommentare aussortiert werden müssen. Ein eindeutiger Beweis ihrer Schuld! Sie hätte sich das übrigens auch sparen können, der Ankläger führt Gespräche dieser Art immer ohne sein Hörgerät, wie sich später herausstelle. Doch sie hatte Glück– der Mann vergaß die Sache einfach. Acht Jahre später tauchte er allerdings wieder auf …

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Kaffeesatz für den Aszendenten

Das waren ja wieder mal Osterferien der besonderen Art!

Die Welt ist in Urlaub– auf Ibiza oder beim Skifahren. Wer nicht wegfährt, geht selbstverständlich in die– Bibliothek. Recht so!

Man selbst schlägt sich in der ersten Woche mit „Neuen kommunalen Finanzmanagement-Modellen“ herum und lässt 100 „viereckige Ostereier“ beim Bookcrossing frei. Ein kompletter Tag geht für Vorstellungsgespräche drauf und ansonsten hält man die Stellung und bleibt wacker bei guter Laune.

In der zweiten Woche gibt’s drei Yoga-Workshops für Kinder und vier Nachtschichten bis weit über Mitternacht hinaus, weil ein Konzept zu schreiben ist. Das wird am Samstag nach Ostern gegen 21 Uhr dann endlich halbwegs fertig und man schaut nun erstmal etwas lockerer drein, dann in die Zeitung und liest dort bei den Steinböcken folgende Unverschämtheit:

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Filmkarriere geplatzt

Es ist Karsamstag. Die Bibliothek ist geöffnet– wie immer bis 16 Uhr– und großer Kundenandrang ist zu erwarten. Eigentlich hat die Bibliotheksdirektorin ja samstags frei, uneigentlich taucht sie aber nicht selten auf, betreut die Vorlesepaten der Samstagsgruppe oder „macht so im Büro herum“.

Für heute hatte sie geplant, so gegen Mittag aufzulaufen und zu schauen, ob alles klappt oder irgendwo Hilfe nötig ist. Da bimmelt gegen 10:30 Uhr ihr heimisches Telefon. Die Info-Bibliothekarin ist dran und berichtet mit schnellen Worten, dass der WDR, diesmal das Fernsehen, in seiner Lokalzeit am Abend etwas über die österliche Bookcrossing-Aktion auf der Korkenzieher-Trasse zeigen möchte: Am besten im Rahmen einer filmbaren Freilass-Aktion mit diversen BookcrosserInnen, die gerade ein paar der insgesamt 800 Bücher aussetzen.

„Mmh“, sagt die Direktorin, „die Aktion ist doch schon vorbei, die war doch gestern! Ab heute setzten alle Bookcrosser ihre Bücher spontan aus!“. Ein neuerlicher Anruf der Kollegin macht Beharrlichkeit deutlich: Der WDR will unbedingt filmen! Die Direktorin guckt an sich herunter: Sie ist noch im Bademantel, oh jesses! So geht das aber nicht! Es folgt ein erster Spurt ins Badezimmer, denn …

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